Ringelgänse bei der Zwischenrast auf der Insel Sylt

Die Ringelgänse auf ihrem Weiterflug in den Norden

Auf Sylt gibt es sehr viele Naturschutzgebiete. Viele Zugvögel sind gerade auf der Durchreise. Einen Tag zuvor hatten wir vor allem die vielen Ringelgänse hier beobachtet. Allerdings hatte ich nur mein 70-200mm Nikkor Teleobjektiv dabei, da wir mit dem Fahrrad unterwegs waren. Aber für diese Entfernung waren die Gänse einfach viel zu weit entfernt. So beobachteten wir die vielen Zugvögel voller Faszination, aber die fotografischen Highlights blieben auf Grund der Entfernung einfach völlig aus.

drei Ringelgänse im Flug in der Bucht beim Ellenbogen
drei Ringelgänse beim Flugstart in der Bucht beim Ellenbogen – f/5.6 | ISO 100 | 1/4000 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Früh morgens um 8Uhr am Wattenmeer und keine Ringelgänse

So fuhren wir am frühen Morgen gegen 7.30h mit dem Auto nach List. Bepackt mit schwerer Fotoausrüstung ging es dann  zu Fuß auf dem Deich weiter entlang. Im Foto-Rucksack waren neben der Nikon D750 dann jetzt neben dem 70-200mm Nikkor Objektiv, auch noch das 2,3kg schwere 200-500mm Nikkor Teleobjektiv dabei. Dazu schleppte ich noch das Stativ und eine Decke mit.

Nur Graugänse versteckt zwischen den Dünengräser

Graugänse mit Nachwuchs auf der Wiese auf Sylt
Graugänse mit Nachwuchs auf der Wiese auf Sylt – f/8.0 | ISO 360 | 1/500 Sek | – ⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Es war ja noch recht früh und wir waren total alleine. Perfekt für ungestörte Wildlife-Aufnahmen. Dachte ich zumindest. Doch zu unserem Erstaunen war hier auch keine einzige Ringelgans zu sehen. Nur die Graugänse mit Nachwuchs in der Ferne waren zu sehen. „Hä? Wo sind denn die Ringelgänse alle hin?“ Sind sie etwa schon weiter geflogen? Bitte, das kann doch nicht sein!

Ringelgänse – auf einmal kamen sie lautlos angeflogen

Ringelgänse auf Sylt in der Bucht beim Ellenbogen
Ringelgänse auf Sylt in der Bucht beim Ellenbogen – f/5.6 | ISO 320 | 1/2000 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Aus der Verzweiflung heraus drehte ich mich schon leicht empört um. Und da! Da! Da waren die vielen Ringelgänse auf einmal zu sehen. Sie kamen ungewohnt leise angeflogen. Oder lag es an der Windrichtung?
Übrigens: Einige Tage später entdeckten wir, dass die Ringelgänse (wohl alle zusammen als große Familie) auf dem Ellenbogen übernachten.

Als wir bei den Ringelgänsen ankamen

Also gingen wir wieder zurück und dabei sahen wir, dass immer mehr Ringelgänse in kleinen Grüppchen ankamen. Zum Glück, denn ich hatte schon die Befürchtung, dass die Gänse dann einfach weiterfliegen. Ich hatte ja keine Ahnung, wie Scheu sie sind und verjagen wollen wir die Gänse ja nicht.

Ringelgänse im Flug in der Bucht beim Ellenbogen
Ringelgänse im Flug in der Bucht beim Ellenbogen – f/5.6 | ISO 320 | 1/2000 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Leute! Es war ein pures Naturerlebnis. Es war einfach schön anzusehen, wie immer mehr ankamen. Sie machten es sich im Watt nahe des Ufers gemütlich und schnatterten so vor sich hin. Wir beobachteten die Ringelgänse voller Faszination und bauten nebenbei unsere Stative auf. Dann machte ich es mir auf dem Boden oben auf dem Deich gemütlich.

Immer mehr kamen angeflogen. Es machte den Eindruck, dass sie stets in Grüppchen von einem Platz zum nächsten fliegen. Manche haben sich schon zu Pärchen zusammengefunden, andere schienen noch auf der Suche zu sein. Was natürlich auch zu kleinen Auseinandersetzungen untereinander führte. Man muss den Damen ja schon imponieren können. Und nur der Stärkere hat eine Chance.
Es war einfach traumhaft schön, dieses Treiben zu beobachten.

Ringelgänse beim Flugstart in der Bucht beim Ellenbogen
Ringelgänse beim Flugstart in der Bucht beim Ellenbogen – f/5.6 | ISO 320 | 1/2000 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Das Stativ ist eine perfekte Stütze bei schnellen Verfolgungen
So saß ich auf dem Boden und beobachtete die Ringelgänse durch das 200-500mm Nikkor Teleobjektiv. Es ist wahrhaftig wie durch das Fernglas zu sehen. Unglaublich, wie „nah“ man dadurch den Ringelgänsen kam. Aber klar, es hätte noch dichter sein können!!! Aber zu einem ist dort Naturschutzgebiet, zum anderen wären sie dann mit aller größter Wahrscheinlichkeit eh wieder weggeflogen.

Die Kamera ist dabei aber nicht fest auf dem Kugelkopf fixiert, sondern der dient nur als Stütze. Somit sind schnelle Verfolgungen mit der Kamera und dem schweren Objektiv beim Flug der Ringelgänse problemlos und ohne Anstrengung möglich. Es ist schon eher ein Problem, wenn man sich selbst nicht weiter rumdrehen kann.
Mit der Beobachtungs-Zeit, erkannten wir immer besser das Verhalten der Vögel. Bei bestimmten Ruflauten, wussten wir, dass gleich die nächste Gruppe weiter Richtung List ziehen wird. Und so mussten wir nur noch rausfinden, „wo“ es gleich losgehen wird.

Ringelgänse im Flug in der Bucht beim Ellenbogen – f/5.6 | ISO 320 | 1/2500 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

 

Der letzte kleine Trupp Ringelgänse

Ja, der ist immer noch da und der wollte noch nicht den Anderen hinterherfliegen. Sie gingen dann erst einmal zur Wiese und knabberten dort das Gras. Das war super. Denn das war noch ein Stückchen dichter dran. Nach den ersten gemachten Aufnahmen näherten wir uns langsam, in dem wir ihnen oben auf dem Deich entgegen gingen.

Ringelgans beim Starten (1)
Ringelgans beim Starten – f/5.6 | ISO 320 | 1/1250 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Das war jetzt eine schöne akzeptable Distanz zum Fotografieren. Die nächsten Ringelgänse kamen schon…
Währenddessen kamen wieder viele neue kleinere und größere Gruppen an. Zwischendrin waren dann noch auch andere Vogelarten da und manche zogen dann auch irgendwann weiter.

Ringelgans beim Starten (2)
Ringelgans beim Starten – f/5.6 | ISO 320 | 1/1250 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Doch dann kam auch im letzten Trupp auf der Wiese Bewegung auf. Mit ihren Ruflauten wurde zum Weiterflug animiert. Im Watt waren schon die nächsten Ringelgänse, welche natürlich exakt das selbe Verhalten aufzeigten. Aber nun war diese Entfernung zu uninteressant geworden und wir hatten auch schon unzählige Aufnahmen gemacht.

Ringelgans beim Starten (3)
Ringelgans beim Starten – f/5.6 | ISO 320 | 1/1250 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Aber wir waren nun schon bestimmt 2 Stunden hier. Wir hatten genug Aufnahmen gemacht. Und der Popo war platt, die Knie taten schon etwas weh vom auf dem Boden rumkrabbeln. Naja und die Haare waren vom Winde schon völlig zerzaust. Auf zum Frühstück…

zwei Ringelgänse beim Starten
zwei Ringelgänse beim Starten – f/5.6 | ISO 320 | 1/1250 Sek | -⅓ LW | 500mm – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Fotoeinstellungen bei den Ringelgänsen

Nach einigem Ausprobieren kam ich dann zu folgenden Einstellungen:

Ich habe die offenste Blende von f/5.6 gewählt (mehr geht bei diesem Objektiv nicht). Den Autofokus auf AF-C S (AF C=kontinuierlich, S=Einzelfeld) gewählt und im A-Modus fotografiert. Dabei habe ich die ISO so hoch gewählt, dass die Verschlusszeit mindestens 1/1250 Sekunde ist. Aber häufig war auch das noch zu lang und verlangte kürzere Verschlusszeiten von 1/2500 Sekunde und noch kürzer.

Somit hatte ich aber zumindest die Chance, besonders die Startpositionen gut fotografieren zu können. Mit anderen Worten, ich konnte somit die Bewegungen der Flugpositionen recht gut einfrieren. Natürlich sind nicht alle Aufnahmen scharf abgelichtet worden. Und das sind sicher noch nicht die wirklich perfekten Einstellungen.

Verschlusszeit beim Starten der Ringelgänse in Flugposition

Denn, sobald die Ringelgänse am Starten waren, hatten sie gleich eine enorme Geschwindigkeit drauf. Die waren echt beeindruckend schnell und das Mitziehen der Kamera und dem 500mm Tele waren eine wahre Herausforderung.

Aber zum Glück waren ja genug Gänse da und somit hatten wir auch genug Zeit zum Üben. Mit der Zeit haben wir uns dann an die Geschwindigkeit anpassen können und hatten totalen Spaß dabei die Ringelgänse zu fotografieren.

Sie flogen dann in unsere Richtung weiter. Dabei stellte ich auch fest, dass die Verschlusszeit wirklich kurz sein muss, damit die Gänse nicht verschwommen aufgenommen werden. Aber auch, daß der Autofokus auf kontinuierlich stehen muss. Die Zeit zwischen Fokussieren und Auslösen der Aufnahme ist kürzer (als im Single-Modus). Aber auch hier gab es viele Aufnahmen die gleich in den Papierkorb kamen. Doch das gehört einfach dazu. Um so größer ist die Begeisterung, wenn scharfe Aufnahmen dabei sind.

Ein Nachteil bei langen Brennweiten

gibt’s allerdings doch. Denn wenn die Ringelgänse dann doch dichter rangeflogen kamen, wurden sie für die kürzere Distanz einfach zu groß. Ich hätte ich das Tele eindrehen müssen, doch dafür geht dann aber alles viel zu schnell. Auch weiß man vorher nicht, wie genau die Flugrichtung ist.

Fazit des Tages

So ganz bin ich immer noch nicht mit den Einstellungen zufrieden. Aber für diesen Foto-Moment war einfach nicht mehr möglich gewesen. Und wir wollen jetzt endlich frühstücken und dabei kann ich mir Gedanken machen, was ich noch verändern sollte.

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