Ich mußte es vom Dichten sehen…

Wir waren am Freitag und Samstag Abend in Santa Cruz im vorderen Bereich des Hafens zum Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit fotografieren. Die Farben des Sonnenunteganges und die Wolkenstreifen luden zu einem chilligen Fotoabend ein.

Für mich haben Seehäfen etwas einzigartig Faszinierendes. Die Vielfalt und Größenunterschiede der Schiffe, egal ob Kreuzfahrt-, Container- oder Frachtschiffe, sind immer wieder in den Häfen spannend anzusehen. Sie verbinden für mich die Welt. Die Segelboote geben mir das Gefühl von Abenteuer und Freiheit. Ich liebe das glitzerige Funkeln der Sonnenstrahlen im Wasser, ihre schunkelnden Bewegungen darin und dieses Klimpern der Masten und das Peitschen der Flaggen im Wind. Raus auf die See…

Dann gibt es allerdings noch die Hafenindustrie, ihre Schiffe und alles was dazu gehört. Hier in Santa Cruz liegen schon seit sehr vielen Monaten die alten Öl-Bohrinseln im und vor dem Hafen auf Halde. Vor ca. 2 Jahren wurde hier vor den Inseln Richtung Afrika nach Öl gesucht und auch gefunden. Der Aufschrei der Bevölkerung war sehr groß.

Die kanarischen Inseln leben vom Tourismus und die Touristen wollen am Strand keine Bohrschiffe und -Inseln sehen, sondern Strand, Sonne, Palmen und Meer. Zum Glück hat das gefundene, wenige Öl eine schlechte Qualität und weitere Bohrungen sind von der spanischen Regierung auch nicht genehmigt worden.

Wartung von Öl-Bohrschiffen und -Inseln

Im Hafen von Santa Cruz de Tenerife können diese Bohr-Schiffe und Inseln repariert und gewartet werden. Es sei einer der wenigen Häfen, die das überhaupt noch können. Und das wohl so gut, daß die Nachfrage sehr groß ist. Die Firma Ensco hat diverse Schiffe und Inseln hier vor Ort zur Wartung liegen.

Schön für die Stadt und den Hafen, schließlich sichert das Arbeitsplätze, was wir hier auch dringend brauchen. Allerdings ist das Bild vor dem Teresitas Strand echt erschreckend und ich kann die Einwohner und Urlauber voll verstehen. Kein schöner Anblick vom Strand aus. Zum Glück haben wir hier eine Fülle an schönen Stränden – die Auswahl ist groß.

Wir waren eh auf den Weg nach Santa Cruz. So nutzten wir die Gelegenheit uns diese Öl-Bohrschiffe von Dichtem anzusehen. Außerdem bin ich auch ständig auf der Suche nach weiteren spannenden Motiven in der Dämmerung und in der Nacht in dieser Gegend.

Unsere Erledigungen nahmen leider mehr Zeit in Anspruch als gewünscht, dann fuhren wir mit dem Mini los. An Santa Cruz vorbei in Richtung Teresitas Strand hat man immer wieder einen tollen Blick auf Hafen und Stadt. Meine nächsten Motive sind gefunden. Aber wir „eilten“ ständig der untergehenden Sonne im Hafengelände nach.

Die Ensco DS-3 und DS-4 im Sonnenuntergang

Ich wollte diese zwei Schiffe noch vor Einbruch der Dunkelheit im Päckchen liegend sehen. Und wir hatten Glück. Direkt davor gab es noch einen freien Parkplatz. Ich stürzte raus, baute Stativ und die Nikon D750 Kamera auf. Stellte alles ein und benutzte den ND3.0 (1000fache Verlängerung) für eine schönere Wasseroberfläche im reflektierten Sonnenstreifen.

Ensco DS-3 und DS-4 im Hafen von Santa Cruz de Tenerife (f/18, ISO 100, 13 Sek., 55mm, ND3.0 Filter) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Nach 2 gemachten Fotos war die Sonne schon hinterm Berg versteckt. Ich betrachtete die beiden Schiffe im Päckchen liegend. Es waren die Ensco Schiffe DS-3 und DS-4. Wahnsinn wie groß die sind und einen Hubschrauberlandeplatz gibt es auch jeweils auf den Bugspitzen.

Öl-Bohrschiffe und -Inseln direkt vor dem Teresitas Strand

So fuhren wir noch weiter in Richtung Teresitas und kamen im Nachbarort San Andrés an. Direkt dahinter liegt der weiße Teresitas  Strand. Und ja, da liegen die Schiffe auf Reede. Kein Wunder, dass das die Urlauber beim Baden stört.

Öl-Bohrschiffe und -Inseln vor San Andrés (f/16, ISO 100, 34 Sek, 27mm, ND3.0) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Es ist ein Blick der gemischtesten Gefühle in mir. Alle wollen Öl, aber keiner will es vor der Haustür haben. Über die möglichen Katastrophen, die durch Unfälle passieren könnten, darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken…   Aber diese hier sind ja zum Glück nur zur Wartung hier, also hier vor der Haustür „außer Betrieb“.

Öl-Bohrschiff West Capella (Ensco) vor San Andrés (f/14, ISO 100, 1/25 Sek, 240mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 MM 1:5,6E ED VR

Hier gibt es keine schönen Fotos, aber vielleicht welche zum Nachdenken. Das untergehende Licht ist perfekt dafür. Dieser Wolkenstreifen und die Dunkelheit vom Meer her, könnten diese Geschichte erzählen.

Öl-Bohrinsel vor San Andrés (f/14, ISO 100, 1/20 Sek, 500mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 200–500 MM 1:5,6E ED VR

Aber solange wir die Erde als Supermarkt sehen und nicht als Heimat,
wird sich wohl nicht viel verändern… Oder doch?

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