Auf der Suche nach dem Supermond in den Bergen von Teneriffa

Auf diesen Abend hatten wir uns schon lange gefreut und waren total gespannt, was uns heute erwarten wird. Es kommt ja doch immer alles anders als man denkt. Der Supermond – wir wollten ihn beim Aufgehen in der Abenddämmerung zur blauen Stunde fotografieren. Zeitlich wäre es perfekt gewesen, aber das Wetter hatte schon den ganzen Tag nicht so erfolgsvorsprechend ausgesehen. So etwas kann sich hier auf der Insel jedoch im Minutentakt schnell ändern und so hofften wir auf das plötzliches Verschwinden der Wolken. Besonders häufig zum Tagesanbruch und zum Einbruch der Nacht ist ein plötzlicher Wechsel durch die hohen Temperaturunterschiede zu beobachten.

Wie immer in der Fotografie:
es kommt immer als man denkt. Besser, schlechter oder einfach anders.

So fuhren wir in zwei Autos mit weiteren fotografiebegeisterten Freunden hoch auf den Berg. Egal von wo man von der Insel kommt, eine Stunde Fahrzeit ist immer mindestens einzuplanen. So hofften und bangten wir die ganze Zeit. Am 16.9. hatten wir schon mal den aufgehenden Vollmond in der Izaña nahe des Observatoriums mit Begeisterung fotografiert. Auch am 16.10. sind wir schon mal hier am Mirador (Aussichtspunkt) Chipeque gewesen, aber der Vollmond zeigte sich dort erst viel später und anders als erwünscht.

Er kam da nicht aus dem Meer steigend, sondern zeigte sich erst durch die dicke dunkelblaue Wolkendecke. Deshalb wollten wir es heute genau hier am Mirador Chipeque nochmal probieren. Denn der Ort ist perfekt für diese Sonnenuntergangs- und Mondaufgangs-Aufnahmen – wenn das Wetter mitspielt. Heute allerdings war es vergeblich. Obwohl…, ich glaube so ganz kann man das auch nicht sagen. Also, es war so…

Wir nutzten die Zeit und wollten es mit dem Sonnenuntergang verbinden. Aber, was soll ich sagen – seht es selbst…

Wolkiger Sonnenuntergang (f/14, 1/200 Sek., 24mm, ISO 1000)
Wolkiger Sonnenuntergang (f/14, 1/200 Sek., 24mm, ISO 1000, 64 ND Verlaufsfilter )

Die Wolken kamen vom Meer von der Nordseite Teneriffas und zogen wortwörtlich in Windeseile ins Land rein.

Die Nikon D750 bereits startklar sprang ich aus dem Auto und knipste ebenfalls in „Windeseile“ dieses Foto. Zum Aufbau des Stativs war keine Zeit mehr, bis dahin wären die Wolken komplett drin gewesen. Irgendwie war ich erfreut über das Foto und gleichzeitig doch enttäuscht über die vielen Wolken.

Sie wurden einfach immer mehr statt weniger. So entschieden wir, noch weiter nach oben zu fahren. Wir wußten, da oben sind auch die Wolken und kein Mond – aber Wissen und Hoffen sind manchmal so grundverschieden. Da hilft die beste Vernunft nix. Also wieder rein ins Auto und weiter Richtung Izaña. Die Realität war so ernüchternd und holte uns ganz schnell wieder ein. Es war nix zu machen.

Kein Supermond heute Abend.

Letztes Mal war es schon so gemein, aber diesmal war es echt schlimm. Wir waren so richtig enttäuscht. Dabei hatten wir uns extra zum Abend frei genommen. Verflixt und zugenäht. Während ich so vor mir hingrummelte und traurig aus dem Fenster ins Tal schaute, sah ich diesen Blick. Ich rief zu Thorsten: stop, halte hier an. Den Mond kannste eh vergessen, aber diesen Blick – noch gibt es ihn.

Vielleicht nicht ganz so fotogen, aber trotzdem ein schönes Naturschauspiel aus Wolken und Farbresten vom Sonnenuntergang.

Und wir hatten noch etwas Zeit, bevor es sich hier komplett zu zog. Ja, wir konnten sogar mit Stativ arbeiten und hatten noch die Möglichkeit den Einbruch der Nacht in Langzeitaufnahme festhalten zu können.

wolkiges Sonnenuntergangsloch (f/14, 10 Sek., 46mm, ISO 100, 64ND Filter)
wolkiges Sonnenuntergangsloch (f/14, 10 Sek., 46mm, ISO 100, 64ND Filter)

Die Sonne verschwand und Wolken in den Barrancos (Gebirgsschluchten) tanzten umher, so als ob sie sich vor dem Wind und der Kälte verstecken wollten. Von oben schloss sich immer mehr die Wolkendecke, aber durch das kleine Wolkenloch vom Sonnenuntergang kam noch Licht rein.

Die „tanzenden“ Wolken wurden wie von einem Scheinwerfer angeleuchtet.

Das war zwar nur ein kurzer Moment, aber dafür schön anzusehen. Der dynamische Wolken-Wisch-Effekt konnte durch die 30 Sekunden Langzeitbelichtung noch verstärkt werden. Die Vorstellung, wie stark die Wolken sich bewegt haben – kommen dadurch gut zur Geltung.

Das Schöne an der Langzeitbelichtung ist ja auch: Der Fotoapparat (bzw. der „lichtempfindliche“ Sensor – das Herz der Kamera) kann dann mehr und intensiver sehen, als das menschliche Auge an Farben und Kontrasten je wahrnehmen kann.

tobende Wolken (f/11, 30 Sek., ISO 100, 24mm)
tobende Wolken (f/11, 30 Sek., ISO 100, 24mm)

So genossen wir den letzten Blick ins La Orotava Tal von Teneriffa – da unten ist unser zu Hause. Die Sonne war bereits vollständig untergegangen. Es wurde immer dusterer und immer diesiger durch die vielen kleineren und größeren Wolkenschichten in den verschiedensten Höhenlagen und die Lichter im Orotava Tal waren schon lange an. Durch das Diesige gibt es keine wirkliche Tiefenschärfe im Bild. Okay, ich könnte das bestimmt in Lightroom filtern, aber will ich das?

Die Realität war so und nicht anders.
Und genau das möchte ich einfangen.

Blick auf die Lichter im Orotaval Tal (f/14, 30 Sek., 32mm, ISO 100)
Blick auf die Lichter im Orotaval Tal (f/14, 30 Sek., 32mm, ISO 100)

Als wir dann nach einer Stunde Autofahrt wieder in Puerto de la Cruz ankamen zogen die Wolken immer mehr weg. Gegen 21h war der Himmel so ziemlich wolkenfrei und wer konnte so ohne Hindernisse oben am Himmel angeschaut werden? Na toll. Aber was nützt mir der tolle Supermond ohne interessante Kulisse als Hintergrund, dann ist selbst der Super-Mond auch einfach nur Mond auf einem Foto.

Trotzdem musste ich lächeln und schmunzeln als ich ihn so kurz vor dem zu Bett gehen anschaute. Er ist immer noch eine Herausforderung für ein schönes Foto zur blauen Stunde.

Ich krieg dich noch, auch wenn du kein Supermond bist.
Gute Nacht Mond – wir sehen uns noch.

*

Und das Fazit an diesem Abend ist mal wieder:
Das Schöne an der Fotografie ist:
Sehe die Herausforderung und sei spontan! 

 

 

 

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