Astrofotografie mit Wolkenhimmel

Wir versuchten uns erneut in der Astrofotografie, da uns diese Art der Fotografie total fasziniert. Die Astrofotografie ist wirklich nicht leicht, aber wie immer im Leben: „Ohne Fleiß – keinen Preis“ und so probierten wir uns weiter in der Sternfotografie. Hoch oben in den Bergen auf knapp 2000 Metern Höhe auf Teneriffa, abseits der Landstraße und den Autolichtern machten wir uns es gemütlich und warteten auf den Sternenhimmel.

Der Sonnenuntergang war himmlisch schön und absolut frei von Wolken. Das ließ uns hoffen, einen sternenklaren Himmel zum Fotografieren zu haben. Allerdings war dem leider nicht so. Mit dem Einbruch der Dunkelheit kamen die Wolken wie aus dem Nichts hervor. So als ob sie schon darauf lauerten. Sie breiteten sich hoch oben über den ganzen Himmel aus. Wir ließen uns davon nicht entmutigen und probierten es trotzdem aus.

Sternbild „Große Bär“ umhüllt von Wolken am Sternenhimmel

Großer Wagen am Sternen-Wolken-Himmel (f/2.8, ISO 3200, 10 Sek, 15mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Es wurde immer dunkler und da kamen auch schon die ersten Sterne zum Vorschein. Na wunderbar, da ist ja schon der Große Wagen zu sehen. Zum Glück ist der Große Wagen recht einfach am Sternenhimmel zu finden. Der Große Wagen ist übrigens kein eigenes Sternbild, aber ein Sternbildteil – besser gesagt es ist das Hinterteil vom Sternbild Großer Bär.

Ich schnappte mir meine geliebte Nikon D750 samt Stativ und stellte mir alle bekannten Einstellungen für die Astrofotografie ein. Dann suchte ich – schon leicht Zähne knirschend – den Großen Wagen und fand ihn dann auch endlich in den großen Weiten des Universums auf meinem kleinen Kamera-Display.

Nach dem manuellem Fokussieren (sprich scharf stellen) bekam ich endlich meinen Großen Bären – also auch mit dem Vorderteil – eingefangen, bevor die Wolken ihn noch mehr verdecken konnten.

Die aufgehende Milchstraße in Wolken am Sternenhimmel

Spiel aus Wolken, Sternenhimmel mit aufgehender Milchstraße
Spiel aus Wolken, Sternenhimmel mit aufgehender Milchstraße (f/2,8, ISO 1600, 13 Sek, 13mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Schon 15 Minuten später – jetzt war es 23.10h – kamen begeisterte Rufe aus dem Dunkeln von Susanne: „Da hinten am Horizont geht die Milchstraße jetzt auf!“. Ich in meiner Nachtblindheit mußte erstmal ganz genau hinsehen. Denn diese schnell durchziehenden hellen Wolken machten es mir nicht wirklich leicht. „Doch da, ja! Aha! – Perfekt! Stimmt!“ sprudelte es nur so aus mir heraus. Zugegebenermaßen: das menschliche Auge kann lange nicht so gut sehen wie der lichtempfindlichen Kamerasensor, der trotz Wolken eine recht schöne Milchstraße ablichten kann.

Mittlerweile war es aber so stockdunkel, dass ich meine Kamera aus zwei Meter Entfernung (ohne Hilfslicht) nicht mehr wieder finden würde. Vorsichtig im Dunkeln tappend positionierte ich mich in diese Richtung. Der Kontrast zwischen Dunkelheit und den hellen durchziehenden Wolken war gigantisch. Aber leider war auch die Sicht auf dem Display  gigantisch dunkel.

Himmel! – war das anstrengend, den perfekten Bildausschnitt zu finden. Ich wollte unbedingt die Baumkronen, die Dynamik der Wolken und die aufgehende Milchstraße zusammen ablichten. Nach einigen Versuchen hatte ich es dann endlich genau so eingefangen, wie ich es auch haben wollte.

Sternenhimmel mit Milchstraße – Montana Esperanza, Tenerife (f/2,8, ISO 1600, 13 Sek, 15mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Als ich dann stolz mein kleines Wunderwerk auf dem kleinem Display betrachtete, erkannte ich diese tolle Wolkendynamik. Sie breitete sich so schön fächerartig aus (fast wie eine Hand mit zu vielen Fingern) und diese Wolke wollte ich nun als Motiv haben. Die Milchstraße sollte noch mit drauf sein und so suchte ich einen Kompromiss aus Beidem – Wolkenfächer und Milchstraße. Aber die „Finger“ hatten sich schon wieder aufgelöst. Macht nix, denn dafür gibt es wieder mehr Sterne am Himmel.

Sternenhimmel mit Milchstraße - Montaña Esperanza, Tenerife
Sternenhimmel mit Milchstraße – Montaña Esperanza, Tenerife (f/2,8, ISO 1600, 13 Sek, 15mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

23.30h und die Wolken spielten ständig mit meiner Hoffnung. Lösen sich die Wolken nun endlich mal auf oder nicht? Mal machte es den glücklichen Anschein, dass es weniger Wolken werden, dann war alles wieder voll von Wolken am Himmel. Grrr!!! Die Milchstraße stieg immer weiter auf, war aber mit bloßem Auge kaum sichtbar.

Das manuelle Fokussieren der Sterne

Nun wurde es zur echten Sisyphusarbeit. Es war jetzt erst recht eine Geduld kostende Herausforderung geworden. Die vielen kleinen Sterne versteckten sich zwischen dem Rauschen auf dem Kameradisplay und den schnell vorbeiziehenden Wolken. Ich suchte mir einen mittleren Stern heraus, vergrößerte diesen Stern auf die 100% Ansicht im LiveView-Modus (mit Hilfe der OK-Taste auf der Nikon).

Wie immer drehte ich vom Unendlichen ganz leicht zurück bis dieser Stern so weit wie möglich als Punkt zu sehen war. Manchmal kamen dann spontan noch weitere kleinere Sterne dazu oder die größeren ploppten wie Seifenblasen. Ich fokussierte so lange, bis sie sich in kleinere punktförmig scharf abgebildete Sterne veränderten. Und genau auf diesen winzigen Moment bin ich „scharf“, denn nur dann gibt es scharf abgelichtete Sterne.

Der Kamera-Sensor muss bei solchen Astro-Fotos ganze Arbeit leisten. Die hohen ISO-Werte und die vielen Langzeitbelichtungen lassen sowie schon alles rauschen. Dann kommt erschwerend das ständige Arbeiten mit dem LiveView-Modus hinzu, was den Sensor ebenfalls heiß laufen lässt!!

Manchmal habe ich schon vor lauter Gekrissel auf dem Display nix mehr erkennen können. So gab ich meinen Augen, aber vor allem der Kamera mal eine kurze Pause und schallte die Nikon dafür kurz aus und genoss den himmlischen Blick in den Sternenhimmel.

Erstaunlich wie ruhig es hier oben im Wald ist. Der leichte Wind rauschte sanft säuselnd durch die Nadelbäume, ansonsten war es absolut still – nur noch unser konzentriertes Fotogequassel war zwischendurch leise zu hören. Das war traumhaft schön! Nur DIESE BLÖDEN WOLKEN wurden immer mehr!

Spiel aus Wolken und Sternenhimmel
Spiel aus Wolken und Sternenhimmel (f/2,8, ISO 6400, 13 Sek, 18mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Der Himmel war nun fast voll von Wolken und es waren kaum noch Sterne zu sehen! Grummel! Grummel! Und es wurde auch immer wärmer. Das für Morgen angekündigte Calima (starker Temperaturanstieg mit Sandstürmen von Afrika) ist wohl schon auf Teneriffa angekommen und statt zu Frieren hatten wir somit kuschelige 32°Celsius hier oben auf 2000 Metern Höhe. Es schwirrten immer mehr kleinere und größere Insekten umher und der Boden war warm wie eine Fangopackung. Die Luft wurde immer trockener, staubiger und unangenehmer für Nase und Augen.

Hilft ja nix. So packten wir kurz vor Mitternacht unsere Sachen zusammen und beendeten unseren heutigen Astroabend. Schließlich müssen wir ja noch eine Stunde mit dem Auto zurück ins Tal nach Hause fahren. Ach ja, morgen ist erst Freitag und da ruft nochmal die Pflicht. Also auf und ab nach Hause…

Übrigens – noch kurz dazu gesagt:

  1. Die kleinen Striche zwischen den Sternen sind Satelliten und leider keine Sternschnuppen… – Sorry, die würden anders aussehen 😳
  2. Fotografieren der Milchstraße ist das Eine, das digitale Entwickeln der Milchstraße das Andere. Nach kurzer Internetsuche fand ich eine knackig kurze Anleitung von Gunther Wegner auf Youtube: Fotos der Milchstrasse mit Lightroom bearbeiten – Video Tutorial Damit kommt man schnell ans Ziel bei der digitalen Nachbearbeitung.
  3. Ich habe mein Foto-Wissen zum Thema Astrofotografie in zwei Teile zusammengefasst.

 

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