Fotografie von Küstenvögel – aller Anfang ist schwer

Meine Idee war, mich die Woche auf Sylt mit der Vogelfotografie zu verbinden. Ich habe zwar schon mal den einen oder anderen Vogel fotografiert. Die waren allerdings an Menschen gewöhnt. Heute habe ich total neue Erfahrungen sammeln müssen. Die Euphorie, die am Anfang so groß war ging relativ schnell in eine gewisse Enttäuschung über und am Ende musste noch einmal alles neu überdenken. Auch wenn es noch nicht die tollsten Fotos sind, möchte ich meine gemachten Erfahrungen mit euch teilen. Ganz nach dem Motto:

Am Anfang ist alles schwer und aus Erfahrungen wird mal klug.

Eigentlich wollte ich die Ringelgänse fotografieren. Abgesehen davon, dass diese eh viel zu weit weg waren, flogen sie allein nur schon vom Klackgeräusch des Fahrradständers fort. Ähm, damit habe ich so gar nicht gerechnet. Dann eben nicht… Aber nun mal ganz von vorne.

Die Küstenseeschwalbe aus der Ferne

Küstenseeschwalbe auf Sylt am Ellenbogen
Küstenseeschwalbe auf Sylt am Ellenbogen – f/5.6 | ISO 100 | 1/1600 Sek | -⅓ LW | 200mm Zuschnitt – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Es ist unser erster Tag auf der Insel Sylt. Wir schnappten uns die Fahrräder und fuhren zum Ellenbogen hoch. Ich überlegte, was schleppe ich an Fotoausrüstung nun wirklich mit. Schließlich befand sich in meinem Fotorucksack die Nikon D750 und das Nikkor Tele-Objektiv 70-200. Das riesige Nikkor 200-500mm war heute nicht dabei und das war ein verdammt großer Fehler. Aber das wusste ich bis dahin noch nicht.

Küstenseeschwalbe auf Sylt am Ellenbogen
Küstenseeschwalbe auf Sylt am Ellenbogen – f/5.6 | ISO 100 | 1/1600 Sek | -⅓ LW | 200mm Zuschnitt – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Wir kamen am Deich bei List mit Blick zum Ellenbogen an. Unglaublich wie viele Vögel verschiedenster Vogelarten dort waren. Vor allem sehr viele Zugvögel waren dort zu sehen. ABER – viele Bereiche wurden zum Schutz der Vögel weiträumig abgesperrt. Was natürlich richtig ist, aber viel zu weit weg für das Nikkor 70-200mm.

Diese zwei Aufnahmen waren die einzigen gelungenen Aufnahmen. Die Anderen waren alle unscharf. Leider wären das die vom Motiv her die viel schöneren Aufnahmen gewesen. Die Küstenseeschwalbe blieb im Flug auf der Stelle und die Federn waren dabei super schön gespreizt. Aber unscharf bleibt einfach unscharf und damit waren die Fotos nur noch für den Papierkorb nützlich.

Diese Fotos sind schon stark zugeschnitten worden und alle anderen Vögel waren einfach viel zu weit entfernt. Ja, ich ärgerte mich natürlich extrem, nicht doch das große 2,3kg schwere 200-500 Nikkor Tele-Objektiv mitgeschleppt gehabt zu haben. Grummel. Naja, wieder eine Erfahrung mehr eingesammelt.

Die Feldlerche aus der Ferne

Feldlerche aus der Ferne
Feldlerche aus der Ferne – f/4 | ISO 100 | 1/1250 Sek | -⅓ LW |170mm Zuschnitt – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Als ich den Deich wieder hoch ging, hörte ich die Feldlerche und sah sie dann auch. Das sind echt „unterhaltsame“ Vögel. Ihr Gesang ist sehr schön anzuhören und zwischendurch fliegen sie laut zwitschernd vertikal nach oben und landen dann gleich wieder fast auf der selben Stelle.

Aber auch dieser kleine Vogel war einfach weit weg. Ich rutsche also ganz langsam auf dem Popo die Deichwiese zwischen den Deichschaffladen immer weiter runter. Ja, was tut man nicht alles für die Fotografie.  😉 Als ich unten angekommen war, hatte ich das Gefühl – hier ist die akzeptable Grenze für die Feldlerche zwischen ihr und mir.

Wäre ich noch dichter ran gegangen, dann wäre die Feldlerche wohl mit größter Wahrscheinlichkeit weggeflogen. Das wollte ich nach all meiner Mühe natürlich vermeiden und ihre skeptische Haltung ist ja schon erkennbar. Auch hier sind die meisten Fotos eher unscharf bzw. ohne schöne Zeichnung, da die Feldlerche zu klein für diese Distanz ist. Auch diese Aufnahmen mussten stark zugeschnitten werden.

Fazit: Na gut, dachte ich mir. Das müssen wir dann nochmal anders – mit Plan B und dem 200-500 Nikkor Tele-Objektiv – wiederholen.

Die Moorwiese am Möwenberg

Möwe auf überfluteter Moorwiese
Möwe auf überfluteter Moorwiese – f/5.6 | ISO 200 | 1/4000 Sek | – ⅓ LW | 200mm Zuschnitt – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Wäre die Faszination der Vogelvielfalt nicht so groß, wäre ich total verärgert, nicht das große Tele-Objektiv mitgenommen zu haben. Hätte ich es dabei gehabt, dann wären es bestimmt nicht so viele misslungene Aufnahmen gewesen. Aber aus Schaden wird man bekanntlich klug.

So fuhren wir mit dem Fahrrad den Deich entlang in Richtung Ellenbogen weiter. Und da kamen wir dann an einer überfluteten Moorwiese beim Möwenberg (wo die Jugendherberge ist) vorbei. Natürlich ist auch das hier – ärgerlicherweise – alles viel zu weit weg.

Rotschenkel - Anflug auf überfluteter Moorwiese
Rotschenkel – Anflug auf überfluteter Moorwiese – f/5.6 | ISO 200 | 1/2500 Sek | -⅓ LW | 200mm Zuschnitt – Kamera: NIKON D750 + Objektiv: AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR © www.ManjaCarlsson.com – All rights reserved.

Dann flog auch noch ein Rotschenkel an mir vorbei. Und diese Gelegenheit kam die ganze Woche nicht wieder. Das war die schmerzhafteste Erfahrung des Tages. Mein Fazit: Nun schleppe ich das große Tele immer mit auf dem Rücken. Egal was es an Rückenkraft und Schweiß kosten wird.

Auf dem Rückweg fuhren wir dann wieder über den Deich Richtung List entlang. Da waren dann doch noch die Ringelgänse zusehen. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

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