Für die Langzeitfotografie von Wellen brauchst du:

  1. Kamera (Spiegel- oder System)
  2. Stativ
  3. Kabelauslöser
  4. ND-Filter und Halterung
  5. Filter-Belichtungstabelle oder Smartphone-App

Kurz-Zusammenfassung:

  1. Motiv wählen
  2. Kamera und Stativ entsprechend aufstellen, inkl. Fernauslöser
  3. A(v)-Modus wählen (Zeitautomatik) und alle Einstellungen vornehmen u.A.
    • ISO 100 wählen (ISO-Automatik ausschalten!)
    • Bildstabilisator „VR“ ausschalten (wenn vorhanden)
    • Spiegelvorauslösung aktivieren
    • Motiv scharfstellen mit AF oder Manuell, dann auf Manuelle Scharfstellung stellen, ggf. Kontrolle
  4. Belichtungszeit ohne Filter messen und merken!!!!
  5. auf M-Modus wechseln, Einstellungen aus dem A-Modus übernehmen (Blende, ISO 100, …)
  6. Filter wählen (ggf. entspr. der Belichtungszeit auch 2 Filter möglich)
  7. Belichtungszeit aus der Tabelle wählen und einstellen
    • bis 30 Sek. direkt an der Kamera möglich bzw.
    • ab 30 Sek. Kamera und Auslöser auf BULB-Modus stellen
  8. Kabel-Auslöser betätigen mit entsprechender Belichtungszeit Foto aufnehmen

Planung und Vorbereitung

Mache ein erstes Foto mit Stativ, aber ohne Filter im A-Modus mit entsprechender, von dir gewünschter Blende. Die ISO Automatik unbedingt ausstellen und manuell auf ISO 100 stellen. Aktivere dabei schon die Spiegelvorauslösung (Systemkameras natürlich nicht 🙂 ) und benutze gleich den Kabelauslöser o.ä..

Wähle deinen Bildausschnitt aus und stelle mit dem Autofokus oder manuell scharf, da wo du es wünscht. Kontrolliere die Schärfe mit der OK-Taste (digitales reinzoomen) und schalte dann anschließend das Objektiv vom Autofokus-Modus sofort auf den manuellen Fokus um. Einfach um keine weiteren ungewollten Veränderungen mehr in der Schärfe zu provozieren. Warum? Ganz einfach: Weil die Filter später das Objektiv stark abdunkeln werden, der Autofokus an seine Grenzen stoßen wird und damit ggf. unscharfe Fotos verursacht oder vielleicht sogar gar nicht erst auslöst. Das wollen wir natürlich vermeiden.

Kontrolliere nach der ersten Aufnahme (ohne Filter) auch nochmal die Schärfe. Natürlich ebenso, ob alle anderen Einstellungen perfekt sind, wie Belichtung, Bildausschnitt, …  Wenn alles okay ist, dann unbedingt die gewählte Belichtungszeit merken. Denn die Belichtungszeit ist die Ausgangssituation für alle weiteren Fotoaufnahmen, solange sich die Lichtverhältnisse nicht stark verändern.

Tipp: Zur Sicherheit kann die gewählte Belichtungszeit auch aus den Metadaten des bereits aufgenommen Bildes schnell ausgelesen werden. Das kann mit der Wiedergabentaste und dem Multifunktionswähler oberhalb der OK-Taste schnell durchgeführt werden.

Bajamar – Sonnenuntergang (f/16, ISO 100, 1/60 Sek.., 24mm, ohne Filter) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

In diesem Foto versteckte sich die Sonne ab und an etwas hinter den Wolken und so änderten sich leicht die Belichtungszeiten zwischen 1/50 bis 1/60 Sekunde.

Filtereinsatz und Filterauswahl

Stelle nun das Funktionswahlrad auf den M-Modus. Verändere dabei keine weiteren Einstellungen mehr! Achte darauf, dass beim Aufsetzen des Filterhalters und der Filter keine Verdrehungen am Objektiv passieren. Wähle den Filter entsprechend der Filter-Belichtungszeitliste. Alternativ probierst du die unterschiedlichen Wirkungen deiner vorhandenen Filter mit entsprechender Belichtungszeit einfach aus.

Bajamar – Sonnenuntergang (f/16, ISO 100, 15 Sek., 24mm, ND 3.0 Filter) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Da die schönen Wischeffekte im Wasser eh erst mit ca. 1 Minute erscheinen, nehme als Ausgangssituation gleich den ND 3.0 Filter (=1000fache Verlängerung). Mit dem ND 3.0 Filter brachte mir das in diesem Foto bei diesen Lichtverhältnissen somit schon mal eine Verlängerung von „nur“ 15-20 Sek. Ich probierte beide Varianten wegen der ständig veränderten Lichtverhältnisse, was aber keinen großen Unterschied ergab.

Bajamar – Sonnenuntergang (f/16, ISO 100, 20 Sek., 24mm, ND 3.0 Filter) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Das schon recht schräge Sonnenlicht ergab diese schönen Rot-Gelb-Töne. Ja, es war die pure goldene Stunde, was durch den ND3.0 Filter sehr schön zur Geltung kam. Ich war erstaunt, wie unterschiedlich die Aufnahmen – mit den gleichen Einstellungen wohlgemerkt – sind und der Filter die weißen und hellen Farbtöne viel besser halten kann.

Filterstärken und ihre Wirkung

Die Verwischungen gefielen mir im vorderen Bereich schon sehr gut, allerdings noch nicht so ganz auf der Meeresoberfläche am Horizont. Ich hatte ja auch noch nicht die gewünschte 1 Minute Belichtungszeit erreicht. So schaute ich auf meine Filtertabelle, welchen Filter ich dann zusätzlich für etwas mehr Belichtungszeit brauchte. Mit dem 0.9 Filter war ich gut bedient. Ein „eckiger“ Filterhalter kann 2-3 Filterscheiben aufnehmen. (Bei der Schraubvariante hat man häufig bereits Vignettierungen (Verschattungen) in den Ecken.)

Stecke vorsichtig den zweiten Filter direkt vor den ersten Filter. Beginne immer mit dem ersten Einschub direkt an der Kamera, um ungewollten Lichteinfall zu vermeiden. Achte auf die korrekte Einschubrichtung, um die Schaumstoffauflagen zur Lichtabdeckung nicht zu zerstören. Stelle Kamera und Kabelauslöser auf den BULB Modus und belichte nun entsprechend der vorgegebenen Zeit aus der ND-Filter-Belichtungsliste.

Bajamar – Sonnenuntergang (f/16, ISO 100, 130 Sek.., 24mm, ND 3.9 Filter) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Für dieses Foto steckten 2 Filter vor der Kamera. Der ND 3.0 und zusätzlich der ND 0.9 Filter. Das macht eine Gesamt-Filterstärke von ND3.9 aus. In dieser Situation konnte ich somit ganze 130 Sek. lang belichten.

Das sind ganze 2 Minuten und 10 Sekunden!!! mit der ND3.9 Filterstärke

Was mich hier so an der Filterfotografie begeisterte,

war nicht nur das warme, abendliche Sonnenlicht, sondern auch die eingefangene Dynamik der Wolken und die Verwischung der Wellen. Da für mich beides die gleiche Wertigkeit hat, habe ich auch den goldenen Schnitt mit Absicht außer Acht gelassen und den Horizont einfach in die Mitte gesetzt.

Auch hätte ich leider keine Möglichkeit gehabt, die Kamera tiefer zu positionieren, um das Motiv anders in Szene setzen zu können. Was vielleicht auch noch mehr Dramatik in den Wolken gebracht hätte.

Fotografieren mit Filtern ist wie malen mit Licht.