Was können Graufilter?

Mit dem Graufilter kann man die Belichtungszeit verlängern oder die Blende einfach weiter öffnen, ohne eine Überbelichtung zu erzeugen. Die Menge des ankommenden Lichtes wird einfach nur reduziert bzw. „verlängert“ ohne dabei die Farben und den Kontrast zu ändern.

Die Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken, um verschiedene Effekte durch die Langzeitfotografie zu erzielen. Um zum Beispiel das unruhige Meer in spiegelglattes zu verwandeln, die ziehenden Wolken hübsch verwischen zu lassen und vieles mehr. Es ist wie malen mit Licht. Oder um einfach nur die Menge an Licht zu reduzieren, was am Tage wirklich hilfreich sein kann. Vielleicht sogar um einfach nur eine „offenere“ Blende wählen zu können, zum Beispiel für ein schöneres Bokeh.

Merke Dir: Je dunkler der Filter ist, umso länger kann ich belichten!

Abhängig von der Dichte des Filters muss nun aber die neu geänderte Belichtungszeit irgendwie korrekt berechnet werden. Das geht an sich ganz einfach. Das Unfaire ist aber, das die Hersteller unterschiedliche Angaben zu ihren Filtern machen, was zum Anfang ziemlich irritierend ist. Zumindest war es für mich so.

Schlepper-Hafen – Neumühlen am Morgen – Langzeitbelichtung (f/16, ISO 100, 10 Sek., 85mm, ND Filter 3.0) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Aus dem Blogbeitrag: Neumühlen am Morgen in Langzeitbelichtung

 

Filterstärken

Alle Filter haben entweder die Angabe der Filterstärke (wie 0.3, 1.8., 3.0, …) oder des Verlängerungsfaktors (wie 2x, 64x, 1000x, …) Dazu wird in der Regel auch die reduzierte Blendenstufe angeben (wie -6BL). So weit so gut. Alle haben eine Gemeinsamkeit, so dass eine Zuordnung kein Problem ist, sobald man das System begriffen hat.

ND/Grau-Filterstärken werden in 0.3 Schritten addiert.

Somit gibt es folgenden ND-Filterstärken: 0.3, 0.6, 0.9, 1.2, 1.5,  1.8, 2.1, 2.4, 2.7, 3.0, 3.3, 3.6, … – Das ist einfach gemerkt.

Jede ND/Grau-Filterstärke reduziert immer um eine Blende(n-Stufe). -1BL

Ganzen Blendenstufen sind f/0.5, f/0.7, f/1, f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, …. Nur nochmal kurz zum Verständnis: Pro Blendenstufe wird die Menge an Licht verdoppelt bzw. halbiert.

Jede ND/Grau-Filterstärke „verlängert“ die Zeit des Lichteinfalls jeweils ums Doppelte.

Mit der Filterstärke erreichen wir genau das Gegenteil. Pro Filterstufe (0.3) verlängern wir die Zeit des Lichteinfalls um 2, also ums doppelte. Das bedeutet, dass wir immer von dem vorherigen Wert x2 rechnen müssen. Eine logeritmische Steigerung, oder für die Nichtmathematiker wie eine umgekehrte Pyramide. Hört sich schlimmer an als es ist. Der Verlängerungsfaktor geht von 2x auf 4x dann auf 8x, 16x, 32x, 64x, 128x, 256x, 512x. Und dann weiter auf 1000x, 2000x, 4000x, usw. – damit die Rechnerei im Kopf einfach bleibt.

 

Hat man das verstanden, sieht man die Zusammenhänge – und plötzlich ist alles klar.

Schau einfach mal dafür in die Tabelle. Erkennst du nun die Addierung der Filterstärken und somit die jeweilige Verdopplung des Verlängerungsfaktors an Belichtungszeit?

 

Filterstärken in Schritten und Verlängerungsfaktor
ND-Filterstärke (Schritte) Verlängerungsfaktor
(verdoppelt sich jeweils)
 dadurch reduzierte Blendenstufen
(zur Verlängerung des Lichteinfalls)
0.3 2x -1 BL
0.6 4x -2 BL
0.9 8x -3 BL
1.2 16x -4 BL
1.5 32x -5 BL
1.8 64x -6 BL
2.1 128x -7 BL
2.4 256x -8 BL
2.7 512x -9 BL
3.0 1000x -10 BL
3.3 2000x -11 BL
3.6 4000x -12 BL
3.9 8000x -13 BL

 

Berechnung von 2 Filtern?

Interessant ist auch zu wissen, dass man auch zwei Filter miteinander perfekt kombinieren kann. Ist einem der ND 3.0 (1000x) immer noch nicht dunkel genug, kann man mit Hilfe eines zweiten Filters den Lichteinfall noch weiter strecken/verlängern. Oder einige Filter „einsparen“ können durch die Kombinationsmöglichkeiten von zwei Filtern. Das Berechnen ist das genau das selbe Prozedere.

Der ND 3.0 ist bei mir sehr beliebt und hat eine Verlängerung von 1000x. Nimmst du noch einen zweiten Filter dazu zum Beispiel den 0.6 (Verlängerungsfaktor 4x). Beides zusammen gerechnet macht dann simple 1000 x 4 = 4000x.
Wäre es der 0.9 Filter (Verlängerung 8x). Dann sind es schon 1000 x 8 = 8000x
Mit zwei Filtern können wir nun um das 4000fache bzw. um 8000fache die Belichtungszeit verlängern.

Einfachste Mathematik eigentlich und logisch, sobald man einmal des System begriffen hat. Man muss es einfach nur einmal richtig verstanden haben.

 

Wozu muss ich die Belichtungszeiten wissen?

Mit diesem Wissen kann man nun Aufnahmen in Langzeit starten. Jetzt muss man nur noch wissen, was man wie lange belichten muss um den gewünschten Effekt hinzubekommen. Zum Beispiel wie oben beschrieben, die „wilden“ Wellen werden mit ca. 1Minute Belichtung ganz zahm, das Meer also ganz glatt dargestellt.

Das bedeutet nun wissen zu wollen, wie die Wahl des Filters auszurechnen ist. Sprich welchen Filter muss ich nehmen, um eine bestimmte Belichtungszeit zu erreichen. Um zum Beispiel diese oben angesprochene 1Minute zu den gewünschten Kameraeinstellungen und aktuellen Lichtverhältnissen errechnen zu können.

 

Fazit – fix zusammengefasst

Merke Dir einfach nur:
Jede Filterstufe (0.3) ist eine Dichtestufe und halbiert die Lichtmenge bzw. verdoppelt somit die Belichtungszeit/Stufe.

 

Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 35mm, ND3.0) – Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Aus dem Blogbeitrag: Alte Harburger Elbbrücke

 

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