Barcelona – Ankunft bei Wind und Regen

Schon aus dem Flugzeug sah ich die gewaltige, aber sehr schöne Wolkendecke, die über Barcelona lag. Und so wurden wir auch gleich mit Regen am Flughafen empfangen. Na, das sind ja schöne Aussichten, dachte ich nur und hoffte insgeheim auf einen schnellen Wetterwechsel. Die Wetter-App machte allerdings nicht viel Mut. Warten wir mal ab. Unser Hotel lag in Hafennähe, am Rande des Gotic-Viertels, um möglichst kurze Wege zu unseren Ausflugszielen zu haben. Unser Zimmer war noch nicht fertig und so beschlossen wir uns gleich ins Getümmel von Barcelona zu begeben und nach Fotomotiven Aussicht zu halten.

Ueber den Daechern Barcelonas – Empfangsdrink im Hotel (mit dem iPhone7 aufgenommen)

Auf jeden Fall wollte ich unbedingt den Arc de Triomf von Barcelona sehen und als wir dann dort angekommen waren, tja was soll ich sagen. Typisch, war ja klar – Flohmarkt und Massen von Leute… Somit gab es keine Möglichkeit auf tolle Fotos.  Wir gingen langsam zurück zum Hotel. Als das Zimmer dann immer noch auf sich warten ließ, gingen wir oben auf die Dachterrasse vom Hotel und genossen die kalte, windige aber doch schöne Aussicht über den Dächern von Barcelona Richtung Hafen und Meer. Ich überlegte kurz, Stativ und Filter zu verwenden, legte den Gedanken aber lieber gleich wieder beiseite. Das wäre zu schön mit verwischten, bewegten Wolken. Aber es war einfach zu windig hier oben. Und so genossen wir den Ausblick… Dazu gab es einen Cava als Willkommensdrink vom Hotel und einen Espresso dazu.

Barceloneta & die Krabbe am Hafen von Barcelona

Schon bei der Ankunft in Barcelona sah ich die Krabbe aus dem Taxi und wußte sofort „DICH will ich haben.“ Auf dem Weg zum Hafen und Strand von Barceloneta kamen wir an der Krabbe vorbei und sie wurde mein erstes Motiv in Langzeitbelichtung am Tag in Barcelona. Im Kampf mit der hellen Mittagssonne, einem recht unhübschen Wegweiserschild (nicht mehr zu sehen) und den vielen Leuten habe ich mich für diese Position entschieden.

Mit Stativ und Kamera kniete ich letztendlich auf dem Boden und stellte die entsprechenden Kameraeinstellungen für die Langzeitbelichtung ein – immer ein wenig in Sorge, nicht von den Leuten umgerannt zu werden. Wegen der vielen Menschen entschied ich mich für die Langzeitbelichtung. Mit dem 3.0 ND-Filter hätte ich nur eine Belichtungszeit von 15 Sek. erreicht, immer noch zu wenig um die Leute drumherum „auszublenden“. Somit schraubte ich einen zweiten Filter vor und erreichte somit eine Belichtungszeit von 125 Sek.

Meine ersten Bilder waren gleich für die Tonne. Mal wieder löste meine Fotosession einen Haufen Smarthphonefotografierer direkt vor meiner Linse aus. Ich kniete bei diesem 7. Foto tief auf dem Boden und war total mit dem Ausjustieren beschäftigt, als ich plötzlich ganz unerwartet eine kleine Hand auf meiner rechten Schulter bemerkte. Ein kleiner Junge lehnte sich ganz vertraut an mich ran, so als ob wir Freunde wären und schaute mir mit absoluter Faszination und Konzentration zu, ohne ein Wort dabei zu verlieren.

Krabbe im Hafen von Barcelona (f/16, ISO 100, 125 Sek, 24mm) - Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR - 2 Filter ND 3.9, Stativ
Krabbe im Hafen von Barcelona (f/16, ISO 100, 125 Sek, 24mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR – 2 Filter ND 3.9, Stativ

Ich brachte das 7. Bild in den Kasten und das sollte es dann endlich sein: wo alles drauf war, was drauf sollte und alles weg war, was weg sein sollte. Am schwierigsten war es, die Fühler von der Krabbe mit aufs das Bild zu bekommen und trotzdem die Pfeiler bis zum Boden mit zu erwischen. Wahrscheinlich hat es wegen der stummen Mithilfe des kleinen Jungen endlich geklappt.  😎 Seine Eltern riefen ihn lange vergebens, er hörte sie nicht… Nach einer Weile mussten wir alle laut auflachen, zu süß war das Verhalten des Kleinen anzusehen.

Das bleibt ein echt unvergessener, schöner Moment für mich.

Der Strand von Barceloneta – „Cerveza, Mojito, Agua – fresh!“

Mit diesen Worten wurde man am Strand von den fliegenden Händlern empfangen. Mir stockte echt der Atem. Der Strand war voll von Leuten. Klar, Feiertag und Sommerwetter lockte Alle vor die Haustür. Selbst der Himmel und seine Wolken gaben ein schönes Naturschauspiel dar. Am Ende des Strandes steht das riesige Glasgebäude mit dem Buchstaben W (für Wow oder Wunder). Diesen Kontrast wollte ich festhalten. So baute ich zwischen der ganzen Meute noch auf festem Boden mein Stativ auf. Schnell waren auch die Nikon D750 und die Filter drauf und los ging es oder auch nicht.

Strand von Barceloneta mit W Hotel Barcelona – (f/14, ISO 100, 1/60 Sek, 35mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR Filter: Polfilter

Es war einfach vielzuviel Bewegung in der Menschenmasse und so gab es einfach keine scharfen Fotos. Denn jede leichteste Berührung am Stativ wirkte sich logischerweise negativ auf die Schärfe in der Langzeitbelichtung aus. Ich weiß nicht, was mich mehr nervte: diese „bewegte“ Menschenmassen oder die fliegenden Händler mit ihren ständigen „Getränkenangeboten“, die im 5-Sekundentakt ankamen, zum Teil sogar direkt vor der Kamera stehenblieben. Andere wedelten einem ständig mit ihren Tüchern vor der Nase herum. Von weiter weg machte ich dann ein Foto aus der Hand.

Strand von Barceloneta mit W Hotel Barcelona – (f/16, ISO 100, 110 Sek, 14mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED Filter: Lensinghouse ND 3.0 + ND 0.9 + NISI Polfilter, Stativ

Weiter entlag des Strandes sah ich eine kleine, begehbare Landzunge, die ins Meer als Küstenschutz führte. Perfekt! Und so startete ich von hier ich einen neuen Versuch. Auch hier waren zwar viele Leute, aber es war deutlich ruhiger. Dieser Panoramblick war traumhaft schön. Deshalb habe ich auch dementsprechend das Bild so beschnitten, um eben dieses Panorama auch genau so wiederzugeben.

Abschütteln von lästigen „Getränkeangeboten“

Selbst hier verfolgten uns die fliegenden Händler (eine bunte Mischung aus Pakistanis, Indern und Nordafrikanern) mit „Agua, Cerveza, Mojito – fresh!“ und Thorsten drehte kurze Hand den Spieß einfach um und griff an mit der Gegenfrage: “ ¿¿¿FOTO – bonito FOTO???“ und schickte sich an, Ihnen mit der Kamera im Anschlag hinterherzulaufen. Das irritierte die so sehr, daß wir ab sofort unsere Ruhe hatten. Ich mußte so sehr lachen und sagte zu Thorsten: „Na, da hättest du aber schon früher drauf kommen können!“ Geniale Idee. Hilfe, das ist ja genauso schlimm mit denen hier wie damals in Lloret de Mar oder Rimini vor 25 Jahren. Super vergügt zogen wir weiter und Thorsten war in seinem Element: Bei der Frage“Cerveza?“ anwortete Thorsten nur „No, gracias. ¿FOTO?“. Diese irritiereten Blicke der Strand-Verkäufer waren das Highlight des Tages. Eine schöne und angenehme Art sie schnell wieder los zu werden.

Blick vom Berg Montjuïc – Jardines del Mirador del Alcalde

Das Wetter an diesem Tag war so trüb und diesig, daß jedes Fotografenherz echt enttäuscht sein musste. Wir versuchten unser Glück hoch oben auf dem Berg Montjuïc vom Jardines del Mirador del Alcalde. Zwischendurch wurde es mal etwas klarer, aber nicht wirklich. Die Aussicht ist gigantisch, denn hier oben wird einem erstmal das gesamte Ausmaß der Stadt Barcelona bewußt. Selbst mit einem Panoramfoto ist das nicht wirklich in die Kamera zu bekommen.

Blick auf die Küste von Barcelona (f/14, ISO 140, 1/80 Sek, 75mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Heute kam mir zum ersten Mal der Gedanke, daß ich diesen Dunstschleier aus der Stadt vom Foto entfernt haben möchte. Dank der tollen Lightroom Vorgabe „Dehaze“ von Gunther Wegner auf seinem Fotoblog konnte ich den Dunst entfernen und das Foto dadurch aufhübschen.

Blick auf Barcelona vom Berg Montjuic (f/14, ISO 100, 1/160 Sek, 14mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Etwas enttäuscht verließen wir nach einem Stärkungs-Espresso den Berg Montjuïc und seine zwar schöne, aber zum Fotografieren heute zu trübe Aussicht.

Sant Pau Recinte Modernista in Barcelona

Es ist Abreisetag und wir haben schon im Hotel ausgechekt, die Koffer aber im Hotel gelassen und sind dann noch mal in die Stadt.

Sant Pau Recinte Modernista in Barcelona – (f/10, ISO 80, 1/50 Sek, 24mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm 1:4G ED VR

Das Sant Pau Recinte hatte ich noch nie gesehen und so holten wir es heute nach. Fotgrafieren mit Stativ ist hier untersagt, was bei diesen Lichtverhältnissen eine weitere Herausforderung war. Das Gebäude ist perfekt für Fotoaufnahmen, besonders für Detailaufnahmen, nur nicht unter diesen Lichtbedingungen. Trotzdem noch schnell eine Aufnahme und dann ging es weiter. Die Sagrada Familia war bei diesen Lichtverhältnissen und Menschenansammlungen leider Enttäuschung pur und so landeten wir wieder im Hafen.

Blick auf das World Trade Center von Barcelona und Montjuic über die Glaskuppel vom Maremàgnum (f/8, ISO 100, 1/30 Sek, 24mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Hier saßen wir in einem Café im Maremágnum und genossen die letzten Stunden vor dem Abflug mit Blick auf den Hafen und das World Trade Center von Barcelona. Zufällig fiel mein Blick nach oben und da, ein sehr schönes und vor allem außergewöhnliches Motiv: die spiegelnde Glasfassade! Von meiner Sitzposition störte eine Lampe und so gab ich Thorsten meine Nikon D750 mit der Bitte das Motiv genau nach meinem Angaben einzufangen. Diese Linienführunge finde ich einfach großartig, anders erklärt, die einzelnen Motivteile schön paralell dargestellt  zu haben.

Blick auf die Moll de la Barceloneta (f/8, ISO 100, 1/125 Sek, 24mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Dann wurde es Zeit und wir gingen zurück zum Hotel, um unsere Koffer abzuholen. Im Hafen noch fix ein Foto gemacht, da ich diese Dimensionen zwischen Schiffen und Häusern sehr beeindruckend finde. Die Wolkendecke will aufbrechen. Mit der Abflugszeit soll die Sonne ja auch wieder scheinen. Kein schönes Timing fürs Fotografieren.

Barcino Architektur Buchstaben s/w – (f/8, ISO 100, 1/40 Sek, 24mm) – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 14-24mm 1:2.8G ED

Auf dem Rückweg kamen wir an der Katedrale von Barcelona vorbei und da sehe ich dieses Kunstwerk, welches mir bei der Nachtfotografie noch nicht aufgefallen war. Eine Erinnerung an die kleine Stadt, die vor über 2000 Jahren von den Römern unter den Namen Barcino gegründet wurde und aus dem heute Barcelona entstanden ist. Es begann zwar schon wieder zu regnen, aber ich wollte es unbedingt noch aufnehmen. Die kleinen Mädchen liefen ins Motiv rein und machen – zusammen mit den Tauben – das Bild lebendiger.

Es ist mein letztes Foto von Barcelona auf dieser Reise und es ist mein Favorit dieser Reise geworden. Als wir im Flieger saßen kam die Sonne wieder raus, es blieb aber diesig. So ist das mit dem Wetter. Man muss das Beste daraus machen, aber wir waren garantiert nicht das letzte Mal hier.

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