ND-Graufilter – meine ersten Erfahrungen

Die Leidenschaft zur Fotografie ist jetzt richtig intensiv geworden und Hamburg bietet so viele Möglichkeiten tolle Motive zu entdecken.

Moin Moin Hamburg
Endlich Urlaub
Endlich Zeit fürs Fotografieren
Raus aus dem Alltagsstress.

Heute Morgen war es nun endlich so weit.

Alle aus der Familie waren beschäftigt und ich hatte „frei“. Perfekt, denn ich wollte mich jetzt endlich mal in der Langzeitbelichtung am Tag ausprobieren und wollte das Ganze allein und in aller Ruhe ausprobieren. Theoretisch war alles klar, die Nachtfotografie ist meine große Liebe und somit bin ich mit der Langzeitfotografie schon sehr gut vertraut. Allerdings habe ich noch nie mit Filtern gearbeitet. Nun wird es aber Zeit, das muss dringendst nachgeholt werden. Ich hatte schon viel drüber gelesen und war total gespannt, was dabei nun rauskommen wird.

Seit 4 Monaten habe nun schon meine ersten Filter und noch nie benutzt. 

So schnappte ich mir meinen schon gepackten Foto-Rucksack,

nahm das Sirui-Stativ samt Tasche und befestigte dieses hinten auf dem Gepäckträger. Dann schwang ich mich quietschvergnügt auf’s Fahrrad und radelte los. Ich war total gespannt, ob es klappen wird. Ich war sogar ein bisschen nervös, denn die Langzeitbelichtung ist für mich das spannendere Fotografieren. Warum? Weil ich mich noch intensiver mit meinem Motiv beschäftige und dieses gespannte warten bis das Bild nach vielen langen Sekunden, manchmal sogar bis zu einer Minute, nun endlich auf dem Display zu sehen ist. Das gespannte Warten ist das Schönste für mich.

Okay. Also während ich nun an der Elbe entlang zur Alten Harburger Elbbrücke radelte, beobachtete ich die Wolken. Ich liebe weiße Schäfchen-Wolken und die Wolken heute Morgen fand ich super.

In Gedanken – immer noch am Radeln – war ich schon am Fotografieren und stellte mir die kleinen Wolken-Bewegungen vor, wie sie dem Foto in der Langzeitbelichtung bestimmt eine tolle Dynamik verleihen.

Am Eingangsportal angekommen sah ich mein Motiv und der Sonnenstand war günstig.

Das Spiel der seitlichen Sonnenstrahlen und dem Schatten gab dem Ganzen eine sehr schöne Optik. Ich war begeistert. Jetzt musste das auch nur noch so in die Nikon D750 Kamera rein.

Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 35mm, ND3.0) - Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ
Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 35mm, ND3.0) – Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm

Die Alte Harburger Elbbrücke ist eins meiner Lieblingsmotive im Süden Hamburgs.

Für mich ist diese Brücke durch ihre Architektur ein prima Fotomotiv.

Sie ist 474 Meter lang und ist nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich. Und ich musste feststellen, dass das auch gerne genutzt wird. Wer hätte das gedacht. Ich war echt verblüfft, mit so viel Fuß- und Radverkehr hatte ich am Dienstagmorgen in der Sommer-Urlaubszeit nicht gerechnet. Gut das die Brücke für den Autoverkehr nicht frei gegeben ist. Somit ist das eine perfekte Location für die Architektur-Fotografie.

 

Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 35mm, ND3.0) - Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ
Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 35mm, ND3.0) – Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ  –  Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm

Die Fotosession begann und ich probierte alles durch

Ich tobte mich so richtig aus. Lief mit Stativ und Kamera auf und ab, denn es war nicht so ganz einfach diese Größe gut drauf zubekommen, denn der Weg ist auch noch leicht abschüßig. Ich suchte meine perfekte Stelle, dabei mußte ich immer mal wieder auf die vielen Radfahrer acht geben. Sie kamen immer schubweise – da hatte ich schon manchmal ein wenig Sorge um meine auf dem Stativ aufgebaute Kamera – besonders als ich auf der Brückenmitte war. Auch war es nicht immer ganz einfach alles im Blick zu behalten (Fahrrad, Fotorucksack und Kamera). Mir kam schon kurz der Gedanke, ich hätte ein Warndreieck mitnehmen sollen und mußte drüber schmunzeln. Alles gut.

Also. Los ging es.

Die Vorgehensweise kurz erklärt

  • Die Nikon D750 Kamera war fest und stabil auf dem Sirui Stativ angebracht.
  • Dann habe ich die schon wieder vorhandenen Staubfussel von meinem Lieblings Allround-Objektiv AF-S NIKKOR 24–120 MM befreit,
  • meine ganzen Einstellungen ohne Filter vorgenommen
    1. Blende wählen und merken (hier f/16),
    2. Bildausschnitt wählen und
    3. Waagerecht ausrichten,
    4. Schärfepunkt eingestellt,
    5. ISO 100 gewählt,
    6. Spiegelvorauslösung von 3Sek. eingestellt
    7. Fernbedienung eingestellt
  • den Bildstabilisator ausgestellt!!!,
  • die Belichtung gemessen (A-Modus) und mir die Belichtungszeit gemerkt.

Dann wurde es spannend und der große Moment ist gekommen.

Dann zog ich meine Liste aus dem Rucksack und suchte die passende Einstellung aus der Tabelle. Das ist ganz einfach. Die Belichtungszeit, welche ich ja gerade mit der Kamera ausgemessen hatte und den Filter, den ich wähle – diese zwei Zeilen werden zusammengeführt bis man auf das entsprechende gemeinsame Kästchen kommt. Diese Zeit ist dann die korrekte Belichtungs-Zeit für den gewählten ND-Filter.

Bei mir waren es dann satte 30 Sek. – Wow. Das war toll. Am Tage 30 Sekunden belichten. Einen Verlängerungsfaktor von 1000, das entspricht -10 Blendstufen und einer Lichtdurchlässigkeit von nur 0,098%. Statt 1/30 Sekunde konnte ich nun ganze 30 Sekunden fotografieren. Das war ja der Wahnsinn. 

Dann ging es weiter mit den Einstellungen:

  • das Einstellrädchen auf den M-Modus gewechselt
  • Schärfe manuell nochmal kontrolliert – sicher ist sicher 😉  (im Live-View-Modus perfekt mit der OK-Taste kontrollierbar)
  • die gleiche Blende wieder einstellen (hier wieder f/16)
  • die „ausgelesene“ Belichtungszeit einstellen (hier „30 Sekunden)
  • den B+W 1000er Filter (ND3.0) aus seiner Verpackung geholt und Vorsichtig auf das Objektiv drauf geschraubt (ohne die Brennweite dabei zu verändern. Sprich nix am Objektiv verdrehen und ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen).
  • und dann den Auslöser per Fernbedienung aktiviert   😉

 

Das war ein spannender Moment. Ich stand einfach nur da und schaute gespannt auf das Display meiner Nikon D750.

Ich hatte zusätzlich auch noch die Rauschreduzierung eingestellt. So musste ich eine geschlagene Minute ausharren bis das Ergebnis kam. Und dann war es da. Das erste Foto in Langzeit am Tag. Ich war stolz wie Oskar. War das schön geworden. Das Verwischen der Wolken, die Dynamik der Blätter im Baum und die exakten Details der Mauersteine. Genial! Ich war echt begeistert, also weiter. So probierte ich mich weiter mit dem Wasser auf der Elbe und direkt Mitten auf der Brücke aus. Aber das Eingangsportal von der Alten Harburger Elbbrücke sollte (zumindest für mich) das schönste Motiv bleiben.

Süderelbe - Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 24mm, ND3.0) - Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ
Süderelbe – Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 24mm, ND3.0) – Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm

 

Fazit:

Das wirklich Tolle an der Langzeitbelichtung war hier, dass die Leute auf dem Bild verschwinden oder verwischen. Nur meine beiden Angler auf der Brückenmitte sollten zum bestehenden Bild gehören. Ein Radfahrer hatte eine rote Warnweste an. Diese hatte sich dann auch auf dem Foto als roter Streifen abgelichtet. Ich fing an zu lachen als ich die Auswertung auf dem Display sah, damit hatte ich nicht gerechnet. Das war ja wie in der Nachtfotografie mit den „störenden“ Lichtern. Dieses besagte Foto ging dann aber trotzdem in den Papierkorb. Auch wie das Wasser in der Elbe milchig und samtig wird gefällt mir und macht das Bild freundlicher.

Tipp:

Auch für die Nachtfotografie ist die Alte Harburger Elbbrücke ein schönes Motiv. Die Eingangsportale und die Brücke selbst auch sind mit den alten Laternen beleuchtet.

 

EXIF DATEN:

Kamera: Nikon D750
Filter: Graufilter von 110 B&W ND 3.0 (1000fach) B+W Professional Line: F-PRO
Stativ: ja
ISO: 100
Blende: f16
Belichtungszeit: 20-30 Sek.
Modus: M

 

Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 105mm, ND3.0) - Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ
Alte Harburger Elbbrücke (f/16, 30Sek., ISO100, 105mm, ND3.0) – Langzeitbelichtung am Tag mit ND3.0 Filter und Stativ – Kamera: NIKON D750, Objektiv: AF-S NIKKOR 24-120mm

Wissenswertes

Die Alte Harburger Elbbrücke ist eine von den vier unmittelbar nebeneinander liegenden Süderelbebrücken, die die Süderelbe zwischen Wilhelmsburg und Harburg überqueren.
Die aus Sandstein gebauten Eingangsportale und die Stahlbogenbrücke sind von 1899. Sie tragen die Wappen von Harburg und Wilhelmsburg und sollen an die früheren Stadttore erinnern. Der Weg vor und hinter der Brücke ist noch mit altem Kopfsteinpflaster verlegt. Es war die erste Straßenbrücke über die Süderelbe. Bis Anfang der 70iger fuhr auch noch eine Straßenbahn drüber. Von 1980 bis 1995 wurde die Brücke grundsaniert, allerdings wurden dabei die seitlichen Fußwege entfernt. Deren Eingangsbereiche wurden aber erhalten.

Es ist interessant und verblüffend zugleich, wie meine Fotomotive mich beschäftigen und wieviel interessante Zeit-Geschichte dahinter steckt.

 

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